Die Flüchtlingshilfe Liechtenstein steht ein für den Schutz von Asylsuchenden, Vorläufig Aufgenommenen und Schutzbedürftigen.
Die Flüchtlingshilfe Liechtenstein steht ein für Respekt, Offenheit und Toleranz gegenüber Flüchtlingen und Schutzbedürftigen.
Die Flüchtlingshilfe Liechtenstein setzt sich ein für die Verwirklichung der Grund- und Menschenrechte.
Die Flüchtlingshilfe Liechtenstein setzt sich ein für die Einhaltung der Genfer Flüchtlingskonvention.

Unbegleitete Minderjährige

UNHCR-Empfehlungen zur Unterbringung von Asylsuchenden
in Bundesasylzentren  (August 2017)

Ausschnitt aus Besondere Bedürfnisse von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (hier ganzer Text als pdf)

Gemäss der Kinderrechtskonvention haben Kinder, welche vorübergehend oder dauerhaft aus ihrer familiären Umgebung herausgelöst wurden, Anspruch auf besonderen Schutz und Beistand des Staates. Dieser Anspruch gilt auch für asylsuchende Kinder.
Asylsuchende Kinder, die sich ohne Eltern in den Unterkünften befinden, haben besondere Bedürfnisse, die bei der Unterbringung zu berücksichtigen sind.
UNHCR begrüsst daher das Kurzkonzept des SEM für ein Pilotprojekt zur Betreuung und Unterbringung von Unbegleiteten Minderjährigen Asylsuchenden UMAs in den EVZ, das ihrer besonderen Verletzlichkeit und ihrem un-terschiedlichen Betreuungsbedarf je nach Altersgruppe verstärkt Rechnung trägt. Auch die von der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und sozialdirektoren (SODK) erarbeiteten Empfehlungen zu unbegleiteten minderjährigen Kindern und Jugendlichen aus dem Asylbereich helfen bei der Umsetzung der internationalen Standards in der Schweiz und dem Schliessen von Schutzlücken.

(Zusammenfassung UNHCR-Empfehlungen zur Unterbringung von Asylsuchenden in Bundesasylzentren als pdf)

Empfehlung der Konferenz der kantonalen Sozialdirektoren
zu unbegleiteten minderjährigen Kindern und Jugendlichen aus dem Asylbereich (20. Mai 2016)

Ausschnitt aus der Einleitung (hier ganzer Text als pdf)

Unbegleitete minderjährige Kinder und Jugendliche aus dem Asylbereich (MNA) haben aufgrund ihres Alters sowie des Umstandes, dass sie ohne Sorgeberechtigte in der Schweiz sind und teilweise im Asylprozess stehen, besondere Schutzbedürfnisse. Zudem sind MNA aufgrund ihrer Fluchterfahrungen oft traumatisiert. Sowohl die Bundesverfassung als auch die Kinderrechtskonvention auferlegen dem Staat die Verpflichtung, die Unversehrtheit von Kindern und Jugendlichen zu schützen und ihre Entwicklung zu fördern. Auch bei der Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Personen aus dem Asylbereich ist bei allen staatlichen Massnahmen das übergeordnete Kindesinteresse vorrangig zu wahren. Dabei soll der Staat seine Verantwortung wahrnehmen und das Wohl des Kindes gewährleisten, Verwahrlosung verhindern, ein Sicherheitsgefühl vermitteln sowie die Kinder und Jugendlichen vor Vernachlässigung, Ausbeutung und vor jeglicher Gewalt und Diskriminierung schützen. Die seelische, psychische, körperliche und sexuelle Integrität und Würde der Kinder und Jugendlichen soll dabei gewahrt, ihre Rechte durchgesetzt sowie ihre individuelle Entfaltung und soziale Integration gefördert werden. Den Bedürfnissen von besonders verletzlichen Kindern und Jugendlichen ist stets Rechnung zu tragen. Zu denken ist dabei beispielsweise an MNA mit Behinderungen, LGBTI1, Opfer von Folter, Missbrauch oder anderer Gewalt.

Auch unbegleitete minderjährige Kinder und Jugendliche aus dem Asylbereich sind in erster Linie minderjährige Personen und sollen nicht wie «defacto Erwachsene» behandelt werden. Diejenigen MNA, welche im Übergang zum Erwachsensein stehen, befinden sich aufgrund ihres Lebensalters in einer prägenden Entwicklungsphase. Diesem Umstand ist im Umgang mit MNA Rechnung zu tragen. Die Behörden sollen bei all ihren Handlungen darauf achten, eine den spezifischen Bedürfnissen der MNA möglichst angepasste Unterbringung, Betreuung und gesetzliche Vertretung zur Verfügung zu stellen, welche dem besonderem Bedarf nach Schutz und Beistand Rechnung tragen. Dabei ist auf das Alter, das Geschlecht sowie den Entwicklungsstand
der MNA Rücksicht zu nehmen. Im Sinne einer ressourcenorientierten Arbeit mit MNA ist weiter dem aufgrund ihrer Lebenserfahrungen bereits vorhandenen Potenzial Rechnung zu tragen. Gemäss dem Recht auf Mitsprache sind minderjährige Kinder und Jugendliche in die sie betreffenden Entscheidungen miteinzubeziehen und ihre Anliegen und Wünsche wenn immer möglich und sinnvoll zu berücksichtigen. Um das übergeordnete Kindesinteresse zu wahren, sollen alle Entscheidungen, die MNA betreffen, zügig gefällt werden. Dabei ist die Zeitwahrnehmung der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen. Unbegleitete minderjährige Kinder und Jugendliche aus dem Asylbereich sollen – wie einheimische Kinder und Jugendliche – von den kantonalen Leistungen im Bereich der Kinder- und Jugendpolitik profitieren können. Diesbezüglich wird auf die Empfehlungen der SODK für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpolitik in den Kantonen hingewiesen.

 

Begriff: MNA:  Als unbegleitete Minderjährige oder «mineurs non accompagnés» (MNA) werden Kinder und Jugendliche bezeichnet, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, von ihren Eltern getrennt sind – allenfalls in Begleitung von minderjährigen oder volljährigen Geschwistern und von keiner erwachsenen Person unterstützt werden, welcher die elterlichen Verpflichtungen von Gesetzes wegen oder gewohnheitsrechtlich übertragen worden wäre.

 

Richtlinie 2013/33/EU „Aufnahmerichtlinie“

Artikel 23 Minderjährige. (hier ganzer Text als pdf)

(1) 1 Bei der Anwendung der Minderjährige berührenden Bestimmungen der Richtlinie berücksichtigen die Mitgliedstaaten vorrangig das Wohl des Kindes.
2 Die Mitgliedstaaten gewährleisten einen der körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung des Kindes angemessenen Lebensstandard.

(2) Bei der Würdigung des Kindeswohls tragen die Mitgliedstaaten insbesondere folgenden Faktoren Rechnung:
a) der Möglichkeit der Familienzusammenführung;
b) dem Wohlergehen und der sozialen Entwicklung des Minderjährigen unter besonderer Berücksichtigung seines Hintergrunds;
c) Erwägungen der Sicherheit und der Gefahrenabwehr, vor allem wenn es sich bei dem Minderjährigen um ein Opfer des Menschenhandels handeln könnte;
d) den Ansichten des Minderjährigen entsprechend seinem Alter und seiner Reife.

(3) Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass Minderjährige Gelegenheit zu Freizeitbeschäftigungen einschließlich altersgerechter Spiel- und Erholungsmöglichkeiten in den Räumlichkeiten und Unterbringungszentren gemäß Artikel 18 Absatz 1 Buchstaben a und b sowie zu Aktivitäten im Freien erhalten.

(4) Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass Minderjährige, die Opfer irgendeiner Form von Missbrauch, Vernachlässigung, Ausbeutung, Folter, grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gewesen sind oder unter bewaffneten Konflikten gelitten haben, Rehabilitationsmaßnahmen in Anspruch nehmen können und dass im Bedarfsfall eine geeignete psychologische Betreuung und eine qualifizierte Beratung angeboten wird.

(5) Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass minderjährige Kinder von Antragstellern oder minderjährige Antragsteller zusammen mit ihren Eltern, ihren unverheirateten minderjährigen Geschwistern oder dem Erwachsenen, der nach dem einzelstaatlichen Recht oder nach den Gepflogenheiten des betreffenden Mitgliedstaats verantwortlich ist, untergebracht werden, sofern es dem Wohl der betreffenden Minderjährigen dient.

Artikel 24 Unbegleitete Minderjährige.

(1) 1 Die Mitgliedstaaten sorgen so bald wie möglich dafür, dass ein Vertreter bestellt wird, der den unbegleiteten Minderjährigen vertritt und unterstützt, damit dieser die Rechte aus dieser Richtlinie in Anspruch nehmen und den sich aus dieser Richtlinie ergebenden Pflichten nachkommen kann.
2 Der unbegleitete Minderjährige wird unverzüglich über die Bestellung des Vertreters informiert.
3 Der Vertreter muss seine Aufgaben im Einklang mit dem Grundsatz des Kindeswohls gemäß Artikel 23 Absatz 2 wahrnehmen und entsprechend versiert sein.
4 Um das Wohlergehen und die soziale Entwicklung des Minderjährigen gemäß Artikel 23 Absatz 2 Buchstabe b zu gewährleisten, wechselt die als Vertreter handelnde Person nur im Notfall.
5 Organisationen oder Einzelpersonen, deren Interessen denen des unbegleiteten Minderjährigen zuwiderlaufen oder zuwiderlaufen könnten, kommen als Vertreter nicht in Betracht. Die zuständigen Behörden nehmen regelmäßig Bewertungen vor, auch was die Verfügbarkeit der Mittel betrifft, die für die Vertretung des unbegleiteten Minderjährigen erforderlich sind.

(2) Unbegleitete Minderjährige, die internationalen Schutz beantragt haben, werden ab dem Zeitpunkt der Zulassung in das Hoheitsgebiet bis zu dem Zeitpunkt, zu dem sie den Mitgliedstaat, in dem der Antrag auf internationalen Schutz gestellt worden ist oder geprüft wird, verlassen müssen, untergebracht:
a) bei erwachsenen Verwandten;
b) in einer Pflegefamilie;
c) in Aufnahmezentren mit speziellen Einrichtungen für Minderjährige;
d) in anderen für Minderjährige geeigneten Unterkünften.
Die Mitgliedstaaten können unbegleitete Minderjährige ab 16 Jahren in Aufnahmezentren für erwachsene Antragsteller unterbringen, wenn dies gemäß Artikel 23 Absatz 2 ihrem Wohl dient.
1 Geschwister sollen möglichst zusammen bleiben, wobei das Wohl des betreffenden Minderjährigen, insbesondere sein Alter und sein Reifegrad, zu berücksichtigen ist.
2 Wechsel des Aufenthaltsorts sind bei unbegleiteten Minderjährigen auf ein Mindestmaß zu beschränken.

(3) 1 Die Mitgliedstaaten beginnen – erforderlichenfalls mit Unterstützung internationaler oder anderer einschlägig tätiger Organisationen – baldmöglichst nach Eingang eines Antrags auf internationalen Schutz mit der Suche nach Familienangehörigen des unbegleiteten Minderjährigen und tragen gleichzeitig für sein Wohl Sorge.
2 In Fällen, in denen das Leben oder die Unversehrtheit des Minderjährigen oder seiner nahen Verwandten bedroht sein könnte, insbesondere wenn diese im Herkunftsland geblieben sind, ist darauf zu achten, dass die Erfassung, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen über diese Personen vertraulich erfolgt, um ihre Sicherheit nicht zu gefährden.

(4) Das Betreuungspersonal für unbegleitete Minderjährige muss im Hinblick auf die Bedürfnisse von Minderjährigen adäquat ausgebildet sein und sich angemessen fortbilden; es unterliegt in Bezug auf die Informationen, die es durch seine Arbeit erhält, der Schweigepflicht, wie sie im einzelstaatlichen Recht definiert ist.